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Wahlkreistour mit der ukrainischen Stipendiatin Alina Nosenko (31. Mai bis 1. Juni 2011)

Mit der Geschäftsführerin des Landgestüts, Antje Kerber (l.), und meiner Wahlkreismitarbeiterin Raina Basler

Am Ende hatte Alina Nosenko nur noch eine Frage: „Wo ist nur die Zeit geblieben?“ Zwei Tage hatte mich die 23 Jahre alte Ukrainerin, die als Teilnehmerin des Internationalen Parlamentsstipendiums des Bundestages fünf Monate in meinem Büro arbeitet, durch den Wahlkreis und durch Mecklenburg begleitet.

Mein Wahlkreis Wismar – Nordwestmecklenburg – Parchim gehört zu den größten in ganz Deutschland. Die Wege zu den Menschen sind entsprechend weit. Die Wahlkreise sind so geschnitten, dass in jedem ungefähr gleich viele Einwohner leben. Gerecht ist das nur auf den ersten Blick. Der Abgeordnete im dicht besiedelten Hamburg kann seine Termine mit dem Fahrrad zurücklegen, was in meiner Heimat allenfalls für Radprofis mit Tour-de-France-Erfahrung in Frage käme. Alinas Frage habe ich so beantwortet: „Sie liegt auf der Straße, die Zeit.“

Unsere Tour begann am Dienstagvormittag im Örtchen Redefin, das geografisch nicht zu meinem Wahlkreis gehört, aber mit seinem Landgestüt dann doch: Schließlich gehöre ich dem Sportausschuss des Bundestages an.

   

Die Geschäftsführerin des Landgestüts, Antje Kerber, zeigte uns die Anlage, von der viele Kenner schwärmen. Fachleute zählen Redefin zu den schönsten Landgestüten in ganz Europa. Und es dürfte in den nächsten Wochen, Monaten und Jahren noch hübscher werden. Denn an vielen Stellen wird gebaut und saniert, natürlich denkmalsgerecht. Antje Kerber sprach von insgesamt 20 Baumaßnahmen, die schon begonnen haben oder noch bevorstehen.

Sie selbst wartet sehnsüchtig darauf, dass das Alte Gärtnerhaus aus dem früheren 18. Jahrhundert fertig wird. Sie will dort noch im August einziehen. Alina und ich verliebten uns abwechselnd in eines der 150 Pferde, die derzeit auf dem Hof sind. Da passt der Satz: „Das Äußere des Pferdes hat etwas, das das Innere des Menschen berührt.“

„Wir werden immer ein Zuschussbetrieb bleiben“, sagte Antje Kerber am Ende und nannte dafür drei Gründe. Erstens sei die denkmalgerechte Sanierung teuer. Zweitens seien die 36 Mitarbeiter im öffentlichen Dienst beschäftigt. Und drittens stünden die Tore für Gäste immer offen. Die Kosten für die Pflege kommen hinzu. „Das Landgestüt ist ein Kulturgut, das es zu erhalten gilt“, sagte Kerber. Eigentlich seien es sogar zwei: das Kulturgut Pferd und das Kulturgut Gestüt.

Viele glaubten ja, dass Reiten immer noch ein elitärer Sport sei, erzählte die Geschäftsführerin. Das sei freilich nur noch ein Klischee. Längst habe auch die Mittelschicht den Reitsport entdeckt. Kerber nannte als Beispiel die Zahnarzthelferin, die sich ein Pferd leistet und dafür auf andere Dinge verzichtet.

Und im nächsten Jahr steht ein großes Jubiläum an: Das Landgestüt wird dann 200 Jahre alt. 

   

Wir fuhren weiter ins Archäologisches Freilichtmuseum nach Groß Raden bei Sternberg, und meine ukrainische Stipendiatin Alina erlebte quasi ein Heimspiel. Denn vor mehr als 1000 Jahren war Groß Raden das Heiligtum des slawischen Stammes der Warnower. In den siebziger Jahren wurde die imposante Siedlung auf der Halbinsel am Groß Radener See ausgegraben und schließlich bis 1987 rekonstruiert.

Aber nicht nur deshalb waren wir hergekommen. Seit fünf Jahren lade ich Mädchen und Jungen der Sternberger Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen und geistige Entwicklung am Vorabend des Kindertages zum Grillen ein. Es gab natürlich wieder Stockbrot und Würstchen. Aber erst einmal stürzten sich alle auf den Frischkäse, den Lehrerin Kerstin Schoof zubereitet hatte. Auch das hat längst Tradition. Für Feinschmecker hier das Rezept:

Frischkäse pur, und dann alles hinein, was der Garten so bietet: Schnittlauch, Dill, Basilikum, Liebstöckel (Maggikraut), Petersilie, wahlweise Knoblauch, dazu Salz und Pfeffer, Schlagsahne oder Jogurt. Es war köstlich!

Und dann führte uns die Museums-Chefin Heike Pilz über ihre Anlage. Seit 1992 arbeitet sie in Groß Raden. „Ich habe den Inventarstempel auf den Schultern.“ Sie und zwei weitere Festangestellte bieten „Geschichte zum Anfassen“ und wollen „Alltagskultur“ der Slawen vermitteln. Dazu gehört der Weg vom Korn zum Brot, spinnen, weben, filzen und flechten. „Wir haben einen Bildungsauftrag“, sagte die Museumspädagogin. „Wir unterbreiten ein zusätzliches Angebot zum Sach- und Geschichtsunterricht – für Förderschule, Grundschule und Universität.“

Politik ist immer auch Kontrastprogramm. Das Unbeschwerte des Vorabends wich am nächsten Morgen auf der Fahrt nach Sanitz dem Ungewissen. In der Siebenbuche-Kaserne verabschiedete das Flugabwehrraketengeschwader 2 „Mecklenburg-Vorpommern“ sein zweites OMLT (Operational Mentoring and Liaison Team) in den Auslandseinsatz nach Afghanistan. Die 30 Männer stehen vor einem riskanten Einsatz, wenn sie in den nächsten sechs Monaten vor Ort afghanische Sicherheitskräfte ausbilden.

Zweifel am Afghanistan-Engagement Deutschlands und seiner Verbündeten sind menschlich. Aber es wäre genauso falsch, alle Fortschritte zu bestreiten, die es ohne Zweifel gibt. Und die Ausbildung von Polizisten und Soldaten in Afghanistan hat ja vor allem ein Ziel: den Abzug der internationalen Schutztruppe (Isaf) und die Übergabe der Verantwortung vorzubereiten.

Mit General Bernhard Fürst, Oberst Stefan Drexler und Zugführer Michael S. (v.l.)

So schwierig es ist, Worte zu finden für einen solchen Verabschiedungsappell – ich möchte diese Augenblicke nicht missen. Man bekommt ein Gefühl dafür, was es bedeutet, im Bundestag für die Verlängerung des Afghanistan-Mandats zu stimmen. Manchmal ist mein Eindruck: Wir reden über Soldaten, als steckten unter den Uniformen keine Menschen. Dass wir es mit Menschen zu tun haben, daran erinnert einen solch ein Appell. Ich habe natürlich auch den Abschiedsschmerz der Mütter und Partnerinnen gesehen. Und ich wünsche den 30 Jungs nichts mehr , als dass sie körperlich und seelisch wohlauf zurückkehren zu ihren Familien. Meine Rede können Sie hier nachlesen.

Nach mir sprach der Kommandeur der 2. Luftwaffendivision, General Bernhard Fürst. Er rief seinen Soldaten zu: „Verhalten Sie sich dort umsichtig und besonnen, gehen Sie keine unnötigen Risiken ein, spielen Sie nicht den Helden.“ Als erfahrener Militär weiß er, wie wichtig Kameradschaft gerade in Afghanistan sein wird. „Geben Sie aufeinander acht, gehen Sie respekt- und verantwortungsvoll miteinander um, stehen Sie für einander ein. Erkennen Sie, wenn es einem Kameraden schlecht geht und stützen Sie ihn. Jeder von Ihnen wird menschliche Höhen und Tiefen in diesem Einsatz erfahren.“

Der Zugführer des Teams, Oberstleutnant Michael S. , ist klug genug zu wissen, dass es absolute Sicherheit in einem Einsatz wie in Afghanistan nicht geben kann. Aber er ist auch überzeugt, dass seine Männer bestmöglich auf den Einsatz vorbereitet sind. Im November 2010 hatte die knochenharte Ausbildung begonnen. Und von allen Seiten gab es Lob für die Soldaten aus der Sanitzer Kaserne. Sie werden in Kundus eine Garrison Support Unit ausbilden. Eine solche Einheit ist verantwortlich für den Schutz und den Betrieb einer afghanischen Kaserne.

Meine Stipendiatin Alina Nosenko arbeitet seit Mitte März in meinem Büro. Sie ist in St. Petersburg geboren und hat in der ukrainischen Stadt Cherson ihr Abitur gemacht. Sie hat in Kiew am Institut für Internationale Beziehungen der Taras-Schewtschenko-Universität und an der Berliner Humboldt-Universität studiert. Vor einem Jahr bewarb sie sich bei der deutschen Botschaft in der Ukraine um ein Internationales Parlaments-Stipendium, das der Bundestag jedes Jahr an junge Hochschulabsolventen aus 28 Ländern – Mittel-, Süd- und Südosteuropa, Frankreich, Israel oder den USA – vergibt. Bedingung für die Bewerbung: abgeschlossenes Studium und hervorragende Deutschkenntnisse. Das Stipendium soll die Beziehungen zwischen Deutschland und den Teilnehmerländern fördern und Einblicke in den Maschinenraum unserer Demokratie geben. Vorgeschrieben ist den Stipendiaten ein Besuch im Wahlkreis des Abgeordneten, bei dem sie arbeiten.

Und so gab es nach dem Appell in Sanitz natürlich noch einen Abstecher in mein Bürgerbüro in Wismar, das mein langjährige Mitarbeiterin Raina Basler leitet. Alina schloss die Stadt auf dem Spaziergang über den Markt und beim Abstecher in die zwei großen Kirchen (St. Georgen und Marien) in der Nähe meines Büros gleich mal in ihr Herz. „Alles ist unheimlich hübsch und typisch für eine Hafenstadt“, sagte sie, ganz Tochter eines Seemanns.

Die letzte Station unserer Tour war der Demokratiebus, der an diesem Nachmittag auf dem Parchimer Markt stand. Die Schulklassen hatten wir verpasst, dafür lief uns Bürgermeister Bernd Rolly in die Arme. Großes Hallo. Nettes Gespräch.

Dann hatte Stipendiatin Alina Feierabend. Der Zug brachte sie von Ludwigslust zurück nach Berlin. Für mich ging es noch weiter: Der CDU-Kreisvorstand, dem ich vorsitze, tagte an diesem Abend.

Die Bilanz nach zwei Tagen unterwegs im Wahlkreis und darüber hinaus: 400 Kilometer im Auto.

Bilder der Wahlkreistour