Aktuelles
Über mich
Wahlkreis
Meine Unterstützer
Bundestag
Europarat
Reden
Bundeswehr
Sport
Meine Termine
Reiseberichte
Kasachstan 2017
Türkei 2014
Mali, Senegal 2013
Afghanistan 2012
Kosovo 2011
Odessa-Konvoi 2011
Afghanistan 2011
Zentralasien
1000 Kinder sehen
Reise in den Sudan
Odessa-Konvoi 2010
Bildergalerie
Afghanistan 2009
Presse
CDU-Programm
Kontakt
English
Impressum

Donnerstag, 9. Dezember

Heute ist nicht irgendein Tag, heute ist der Welt-Anti-Korruptionstag der Vereinten Nationen. Natürlich gibt es auf unserer Erde auch andere wichtige Tage, den Welttag der Meteorologie (23. März) zum Beispiel, den Welttanztag (29. April), den Weltfernmeldetag (17. Mai) oder den Weltkautschuktag (12. September).

Zurück zum 9. Dezember: Die Ukraine, so viel darf ich hier schreiben, ohne dass die Regierung in Kiew gleich eine Gegendarstellung verlangt, ist nicht hundertprozentig frei von Korruption. Von der Anti-Korruptionsorganisation Transparency International wird sie in diesem Jahr auf Platz 134 von 178 untersuchten Staaten geführt, sie liegt damit genau zwischen Simbabwe und Togo.

Einen ersten Eindruck, was so eine Statistik in der Realität bedeutet, bekam ich am vergangenen Sonntag am ukrainischen Grenzübergang in Jagogin. Sagen wir es so: Dass wir fast neun Stunden brauchten, um drei Lkw mit Weihnachtspäckchen durch den Zoll zu kriegen, kann zwei Gründe haben: Entweder es fehlten tatsächlich Stempel, wie die Zollbeamten behaupteten - oder es sollten welche fehlen.

Und dass nach unserer Ankunft in Odessa am Montagabend noch einmal 48 Stunden vergingen, bis die harmlose Fracht (Puppen, Fußbälle, Handschuhe) entzollt wurde - ach, Schwamm drüber, schon fast verziehen, liebe Ukraine. So eine Entzollung ist vielleicht auch eine hochkomplexe Angelegenheit, vieles hängt da von vielem ab; ich weiß nicht genau, wovon, aber bestimmt auch vom Wetter und der Luftfeuchtigkeit in den Amtsstuben.

Angeblich geht in der Ukraine viel über persönliche Beziehungen; eine echte Freundschaft steht bisweilen über dem Gesetz. Deshalb dürften wir es beim nächsten Mal leichter haben - wir kommen dann als alte Bekannte.

Weihnachtspäckchen freigegeben

Es gibt tolle Neuigkeiten: Gestern Abend um 20 Uhr haben die Teilnehmer des Hilfskonvois der Clubs Round Table und Ladies’ Circle die 15.000 Weihnachtspäckchen für ukrainische Kinder aus dem Zoll in Odessa geholt. 48 Stunden hatten sie dort gelagert – unvorstellbar. Heute in aller Frühe begann die Verteilung; ein Truck fuhr 250 Kilometer in den Süden Odessas, der andere 150 Kilometer gen Norden. Die dritte Crew verteilt die Geschenke in der Stadt. Viel Zeit bleibt nicht, denn schon heute Abend bricht der Konvoi in Richtung Heimat auf.

Das Wichtigste aber haben wir erreicht: Ukrainische Kinder, die zu den Ärmsten gehören, erfreuen sich an den Weihnachtsgeschenken deutscher Kinder, denen es besser geht. Diese praktizierte Nächstenliebe gefällt mir als Christin besonders. Beeindruckt hat mich auch die Gastfreundschaft von Andreas Hamburger, dem Pfarrer der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Kirche in der Ukraine. Viele Teilnehmer übernachteten im Pastorenhaus neben der St. Paul Kirche, die noch vor wenigen Jahren eine Ruine war. Auch Pfarrer Hamburger hat bei der Vorbereitung des Weihnachtspäckchenkonvois geholfen.

 

   

Ornament am Eingang des Pastorenhauses

 

Die St. Paul Kirche in Odessa

Mittwoch, 8. Dezember

 

Mit Martin, Martina und Andrew nach der Ankunft in Odessa

Physisch bin ich zurück aus Odessa, der ukrainischen Millionenstadt am  Schwarzen Meer. Verstand und Herz sind aber noch dort, und das hat vor allem einen Grund: Die 15.000 Weihnachtspakete für Kinder in der Region Odessa, mit denen wir am vergangenen Sonnabend aufgebrochen waren, lagern noch immer im Zoll. Die drei Lkw der Vereinigungen Round Table Deutschland und Ladies’ Circle, die ich als Mitglied der Deutsch-Ukrainischen Parlamentariergruppe begleitet habe, sind seit Sonntagabend verplombt.

 

Unterwegs am Montagmorgen im Westen der Ukraine


Es fehlt ein Stempel aus der Hauptstadt Kiew – das ist zumindest die offizielle Auskunft der Behörden. Wer das Land im Osten ein wenig kennt, weiß allerdings auch, dass dort andere Spielregeln gelten. Sagen wir es so: Es fehlt immer irgendein Stempel. Niemand kann einem vorher sagen, welche Dokumente und Stempel man tatsächlich brauchen wird, um irgendeine  Genehmigung für irgendetwas zu erhalten. Oft entscheidet letztlich der Beamte am Schreibtisch – und wenn der einen schlechten Tag erwischt hat, verdirbt er auch anderen gern den Tag. (Ukrainische Beamte haben anscheinend selten gute Tage.)

 

Die Konvoiteilnehmer an der Potemkinschen Treppe, Odessas Wahrzeichen

Heute starten die 20 Männer und drei Frauen von Round Table und Ladies’  Circle einen neuen Versuch, die Weihnachtspäckchen vom Zoll zurückzubekommen. Die Zeit drängt schon nicht mehr, sie würgt bereits. Denn eigentlich wollen sich die Konvoileute morgen Abend auf den 2300 Kilometer  langen Heimweg machen. Sie engagieren sich ehrenamtlich, haben Familie und müssen natürlich auch arbeiten.

Ich drücke nicht nur die Daumen, dass es heute Fortschritte gibt, ich werde auch versuchen, aus Deutschland mit ein paar Telefonaten zu helfen. Es hat sich nämlich gezeigt, dass eine Bundestagsabgeordnete hin und wieder ukrainischen Beamten das Fürchten lehren kann – und auch muss, weil ohne diesen kleinen Wutausbruch gar nichts passieren wäre.

Es war eine aufregende und anstrengende Reise mit drei Trucks und drei „Sprintern“ durch ein tief verschneites Osteuropa. Wir sind fast ohne Pause gefahren. Geschlafen wurde auf der Rückbank, alle zwei Stunden kam über Betriebsfunk die Durchsage: „Wir halten mal kurz, es wieder Zeit für einen Fahrerwechsel.“

 

Kilometerlange Trucker-Schlange vor der ukrainischen Grenze

 

 

20 Grad minus: Frisches Frostschutzmittel für die Scheibenwischanlage

 

 

Funk und Kaffeemaschine immer griffbereit: Konvoi-Chef Tommy Führer


Am Montagabend erreichten wir dann Odessa – mit einer leichten Verspätung: knapp acht Stunden. Gebummelt hatten wir freilich nicht. Doch vor allem im Westen der Ukraine waren die Straßen schlecht – nicht nur löchrig, sondern oft auch spiegelglatt. Wir krochen nachts teilweise mit 40 Kilometern pro Stunde gen Odessa. Und schließlich hatte uns auch der Grenzübertritt in Jagodin eine Menge Zeit gekostet. Erst nach acht Stunden war die Fracht verzollt. Es hatte natürlich wieder irgendein Stempel gefehlt.

 

   

Pressekonferenz in Odessas Hafen

 

Es hören zu: Round Tabler und Journalisten.


Von Odessas Glanz habe ich nur wenig sehen können, weil ich den Konvoichef Tommy Führer aus Hanau und unseren Dolmetscher Maksim immer wieder zu Behörden begleitete. Erst kurz vor der Abreise gestern Nachmittag blieb Zeit für einen kurzen Stadtrundgang zwischen Oper, Primorskij Boulevard und Potemkinscher Treppe. Und doch reichen ein paar Augenblicke, um zu verstehen, warum Odessa einst Menschen aus aller Welt – auch viele Deutsche – angezogen hat. Die Stadt am Meer hat Flair und ist ein Ort der Widersprüche: Atemberaubende Schönheit und Verfall, unfassbarer Reichtum und bittere Armut liegen nur ein paar Schritte auseinander.

Wie geht es jetzt weiter? Ganz frische Informationen gibt es im Blog Konvoi nach Odessa. Dort berichten die Teilnehmer, was sie erleben.

Bildergalerie der Reise