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Wenn Sie hier ein Parteiprogramm erwartet haben, muss ich Sie enttäuschen. Das finden Sie bei meine Links, wenn Sie CDU Deutschland klicken. Stattdessen erfahren Sie in einem Interview, das die Schweriner Journalistin Barbara Arndt mit mir geführt hat, was für mich Programm ist, meine Inhalte, Werte und das wahre Leben in der Politik.

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Fassade wird sofort erkannt

Karin Strenz (41): engagierte Christdemokratin, Mecklenburgerin mit Leib und Seele. Eine Frau mit Herz, mit Emotionen, mit Gerechtigkeitssinn. Jetzt kandidiert die Sehlsdorferin für den Bundestag. Der Weg in die Hauptstadt, Ziele in der kleinen und großen Politik, der Wunsch, etwas für andere zu bewegen – Karin Strenz hat Berlin fest im Blick. Sie will den Interessen Mecklenburg-Vorpommerns deutlich mehr Gehör auf Bundesebene verschaffen. Ein Gespräch über Mecklenburgs Zukunft und den Flughafen Parchim, über prägende Persönlichkeiten, Glaube und Heimat, den Mauerfall, Angela Merkel und guten Rotwein.

Mit Angela Merkel und Vincent Kokert, Generalsekretär der CDU MV

Landtag, Kreistag, Kommunalpolitik: Wird Ihnen Mecklenburg-Vorpommern jetzt zu eng?
Ganz und gar nicht. Dieses Land ist wunderbar. Ich bin hier zu Hause, und das soll auch so bleiben. Aber ich möchte noch viel mehr für den Nordosten erreichen. Es gibt etliche Entwicklungsszenarien, die realistisch sind, wir müssen sie nur kommunizieren, um die notwendige Unterstützung einzuwerben. Das gelingt am besten, wenn man diese Potenziale auch wirklich kennt.

An was denken Sie da?
Flughafen Parchim, A14, Wirtschaftsansiedlung…

Stichwort Flughafen: Glauben Sie immer noch an das Drehkreuz im Norden, an internationalen Frachtverkehr, an Gewerbeansiedlung und viele, viele Arbeitplätze?
Ich glaube nicht nur, ich bin überzeugt. Als Aufsichtratsvorsitzende des Parchimer Flughafens kann ich auf eine erfolgreiche Privatisierung des Unternehmens zurückschauen. Es gibt nicht nur eine hervorragende Infrastruktur mit nahezu uneingeschränkten Kapazitäten und sehr motivierte Mitarbeiter. Es gibt auch einen Investor, der über ein tragfähiges Konzept und die notwendigen Partner verfügt. Es wäre gut, endlich ein kleines Stück asiatischer Gelassenheit, Zuversicht und Vertrauen aufzubringen, um diesen Motor der regionalen Wirtschaft zum Laufen zu bringen. Der Parchim International Airport hat eine Zukunft, und zwar eine große. Und dafür werde ich mich weiter engagieren - ohne Abstriche und auch in Berlin.

Auf dem Flughafen Parchim

 

Was wollen Sie in Berlin für Westmecklenburg noch erreichen? Das Wesentliche bitte auf den Punkt gebracht!
Dürfen es auch drei Punkte sein? (Karin Strenz lacht.)

Mal sehen...
Punkt 1: Wirtschaftsentwicklung, Ansiedlung von Unternehmen, Stärkung der kleinen Betriebe und des Mittelstandes, denn sie sind unser aller Rückgrat. Heute sind internationale Kontakte wichtig, wir brauchen den Blick über den Tellerrand. Es geht um Investitionen und Innovation. In Westmecklenburg schlummert ein riesiges Potenzial, wirtschaftlich, touristisch und landwirtschaftlich. Da kann man in Berlin Türöffner sein und unbürokratisch wichtige Entwicklungen begleiten.

Punkt 2: Alle Kraft und Konzentration auf die Bildung und Erziehung unserer Kinder und Jugendlichen, damit sie fit sind für die Herausforderungen der Zukunft. Als Pädagogin ist für mich die heranwachsende Generation eine Herzensangelegenheit. Junge Menschen brauchen Chancen, müssen denen aber auch gewachsen sein.

Punkt 3: Die Gesundheitsversorgung in unserem Land. Wir haben Ärztemangel in Mecklenburg, aber unsere ältere Generation hat nach einem Arbeitsleben ein Recht auf einen würdigen und anspruchsvollen Ruhestand. Der Pflegeberuf erfährt immer noch nicht die Anerkennung, die ihm gebührt.

Besucher vor dem Reichstag

Welche Stärken muss man haben und welche Schwächen kann man sich leisten, wie viel Mensch bleibt übrig in der der Politik?
Ist Schwäche zeigen können in der heutigen Zeit nicht schon an sich eine Stärke? Ich bin sicher, dass eine unentbehrliche Eigenschaft die ist, für eigene Überzeugungen einzustehen, auch wenn man mal Gegenwind spürt oder für eine Entscheidung keine Zustimmung bekommt. Man darf nicht beliebig sein und sein Fähnchen in den Wind hängen. Eine Stärke, die ein Politiker entwickeln sollte, übrigens ein Leben lang, ist Zuhören. Auch Lernfähigkeit halte ich unbedingt für eine Stärke, denn niemand kann alles wissen. Richtige Argumente anderer anzunehmen ist doch keine Schande. Wie viel Mensch von einem übrig bleibt? 100 Prozent mit Stärken und Schwächen. Eine Fassade wird sofort erkannt.

Welche Werte sind für Sie in der Politik wichtig und unverzichtbar?
Aufrichtigkeit und Zuverlässigkeit.

Gibt es Menschen oder politische Persönlichkeiten, die Ihren Weg geprägt haben?
Mein Mann hat einen sehr großen Anteil daran, er hat mich an die gesamtdeutsche Geschichte herangeführt. Ich kannte sie ja nur aus den Geschichtsbüchern der DDR. Meine Mutter hat mich sehr geprägt und immer darauf geachtet, dass die Bodenhaftung nicht verloren geht. Sie war mein Spiegel, und wenn sie sagte: „Kind, bleib wie du bist“, dann war für mich die Welt in Ordnung. Gudrun Stein, die Bürgermeisterin von Lübz, ist meine politische Ziehmutter. Sie hat mich in die Politik gebracht und mir einen Leitspruch mitgegeben: „Politik ist so ehrlich, wie die Menschen, die sie machen.“

Mit Angela Merkel beim Sternberger Rapsblütenfest

Was ist mit Angela Merkel?
Sie hat mich 1999 gefragt, ob ich nicht auch im CDU-Landesvorstand mitarbeiten möchte. Es war der Anfang einer vertrauensvollen Zusammenarbeit. Das war für mich eine Sternstunde der Politik. Auch Eckard Rehberg, unser langjähriger Landesvorsitzender, dessen Stellvertreterin ich sein durfte, hat mir einiges mit auf den Weg gegeben, etwa wie man Konflikte aushält. Steffie Schnoor, unsere ehemalige Kultusministerin, hat mich nach ihrem Ausscheiden aus der Politik gebeten, ihren Landtagswahlkreis zu übernehmen. Ich bin diesen Weg nie alleine gegangen. Erfolg ist immer eine Gemeinschaftsleistung.

Sie haben einige Politikerinnen genannt. Der Anteil von Frauen in der Politik ist jedoch kleiner als der der männlichen Entscheidungsträger. Stimmt es, dass Frauen doppelte Leistung bringen müssen, um anerkannt zu werden?
Absolut! Wir leben immer noch in einer Männergesellschaft, das sieht man in Parteien, auf Kongressen, in Parlamenten. Wir brauchen vor allem doppeltes Durchsetzungsvermögen.

Das kostet viel Kraft. Woher nehmen Sie die Energie?
Meine Kraft tanke ich zu Hause in Sehlsdorf auf. Das funktioniert bei einem Glas Rotwein, Musik und Gesprächen mit meinem Mann und Freunden, die manchmal gar nichts mit Politik zu tun haben. Noch bis September vergangenen Jahres war meine „Batterieladestation“ meine Mutter, die bei uns im Haus wohnte. Sie ist mit 70 Jahren gestorben. Sie war der wichtigste Mensch in meinem Leben, und wir verstanden uns auch wortlos. Jeden Erfolg, jedes Glück, aber auch jedes Problem und jede Schwäche konnte ich mit ihr bereden. Sie hatte so viel Lebenserfahrung. Sie war meine beste Freundin, und sie fehlt mir. In Gedanken spreche ich oft mit ihr, dann antwortet sie: „Du bist auf dem richtigen Weg!“

Mutter und Tochter

Auch der richtige Weg ist zuweilen holprig. Es werden einem Steine vor die Füße gelegt. Gab es Menschen, die Sie in Ihrem Wirken blockiert oder behindert haben, vielleicht „Freunde“, die den besten Feind ersetzen könnten?
Die gibt es immer. Ich glaube, wir finden diese Art von Freund in jeder Partei, in jedem Verein, immer dort, wo Menschen aufeinander treffen. Leider kommt nicht jeder damit zurecht, mal kritisiert zu werden, eine andere Meinung zu akzeptieren oder nicht den gewünschten Beifall zu erhalten. Dann haben Sie nachtragende Menschen in Ihrem Umfeld, die sich leider viel zu oft viel zu wichtig nehmen. Aber so ist das Leben.

Als Christin gehört zu Ihrem Leben auch der Glaube. Welche Rolle spielt er?
Mein Glaube gibt mir Halt. Alles, was wir in unserem Leben tun, muss einen tieferen Sinn haben. Wir leben in einer Zeit der Inflation der Worte, Unwahrhaftigkeit zerstört die Gemeinschaft. Zu oft treffen wir auf Menschen, die auf einem schmalen Pfad der Wahrheit unterwegs sind. Wer lebt heute noch Nächstenliebe im wahrsten Sinne? Wenn jeder von uns die Welt durch seine Existenz nur ein wenig besser macht, hat es sich doch schon gelohnt. Glaube gibt Orientierung, und diese finden wir in der Bergpredigt. Sie gibt alles wieder, was ein friedliches und wertvolles Miteinander ausmacht.

Das Miteinander ist ein Eckpfeiler der demokratischen Gesellschaft. Welchen Leistungen zollen Sie Respekt?
Jeder, der sich nützlich macht, verdient Respekt. Dennoch finde ich, dass gerade all die, die im Hintergrund ohne großen Medienwirbel ihren Job machen, stärker gewürdigt werden sollten. Dazu gehören alle, die sich im Ehrenamt um Kinder, Jugendliche, Bedürftige und Senioren bemühen genauso wie die vielen Trainer in Sportvereinen, Betreuer in Konflikt- und Suchtberatungsstellen, Mitarbeiter in Pflegediensten und nicht zuletzt Polizisten und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren bei ihren Einsätzen. Wir hören oft von Leistungsträgern der Gesellschaft und meinen damit Meister, Ingenieure und Unternehmer. Für mich erbringt die Leistung ebenso der Maurer, Maler, Dreher, die Küchenhilfe, der Geringqualifizierte und viele mehr. Denn der Arbeitgeber ist nichts ohne den Arbeitnehmer und umgekehrt. Das muss man endlich verinnerlichen, damit die Neiddebatten aufhören. Das ist übrigens auch der Grund, warum ich mich in der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft engagiere.

Was war für Sie das wichtigste politische Ereignis in Ihrem Leben?
Der Mauerfall. Ich werde diese Zeit nie vergessen. Ich war 22 Jahre alt und Lehrerin an der Sonderschule in Wanzleben bei Magdeburg. Da ich keinen Fernseher hatte, sondern nur Plattenspieler und Radio, bekam ich dieses Ereignis erst am Tag darauf richtig mit, als in der Schule kaum noch Lehrer und Schüler anzutreffen waren. Einfach unglaublich! Wir haben ja schon seit Mai 1989 gespürt, dass etwas in der Luft liegt, ganz deutlich bei den Montagsdemonstrationen im Kreuzgang des Magdeburger Doms. Wir trugen hellgrüne Bändchen an den Taschen und erkannten einander. Wir wurden immer mehr. Dass diese Wende friedlich verlaufen ist, ist für mich noch heute unfassbar. Silvester 1989/1990 in Berlin am Brandenburger Tor... mir kommen noch heute die Tränen, wenn ich daran denke. Da kann man nur danken - in erster Linie Michail Gorbatschow, natürlich Helmut Kohl, George Bush senior und Papst Johannes Paul II. Ich hoffe, dass dieses historische Ereignis einen würdigen und lebendigen Platz in den deutschen Geschichts- und Lehrbüchern findet.

Geschichte zu vermitteln bleibt ein wichtiges Thema, blickt man auf die Ergebnisse der Kommunalwahlen… Haben Sie Feindbilder?
Politische Feinde gibt es für mich nicht, politische Gegner allerdings. Politiker mit beliebigen Forderungen kann ich nicht ertragen, ebenso wie alles Radikale, ob von links oder rechts. Es macht Sinn, sich mit dem politischen Gegner und seinen Ansichten auseinanderzusetzen, schließlich ringen wir um die besten Lösungen. Wir sind ja nicht zum Selbstzweck da.

Und was ist mit der NPD?
Die brauchen wir in unserer Heimat nicht. Ich spreche den Nazis das Recht ab, sich unserer Jahrhunderte alten deutschen Traditionen und unserer Symbole freizügig und schamlos zu bedienen, als hätten sie auch nur im Entferntesten etwas damit zu tun. Wenn überhaupt, sind sie die geistigen Nachkommen der widerlichsten Brut des Dritten Reichs, das die Edelsten des Deutschen Widerstands gegen Hitler auf dem Gewissen hat. Dazu gehörten unter anderem die Konservativen um Henning von Treskow und Claus Graf Schenk von Stauffenberg, die Sozialdemokraten um Julius Leber und Erich Reichwein, viele aufrechte Kommunisten, die Christen um Pfarrer Dietrich Bonhoeffer und Jesuitenpater Alfred Delp und nicht zuletzt die Jugendlichen und Studenten um Sophie und Hans Scholl von der Weißen Rose, die für das Ideal eines besseren Deutschlands ihr Leben ließen. Und ihre Mörder waren Nazis. Sie haben Millionen von Menschen in der ganzen Welt durch einen irrsinnigen Krieg, durch einen mörderischen Hass Leid zugefügt. Das dürfen wir nicht vergessen.

Wer sind für Sie die wichtigsten Politiker der deutschen Geschichte und Gegenwart?
Der preußische Reformer Freiherr Karl vom und zum Stein, Otto von Bismarck, Konrad Adenauer, Ludwig Erhard, Helmut Schmidt.

Helmut Schmidt? Der ist Sozialdemokrat!
Ja, und der beste sozialdemokratische Staatsmann, den die Bundesrepublik Deutschland je hatte! Helmut Kohl und Angela Merkel zähle ich auch zu den herausragenden Gestaltern.

Noch einmal zurück zum Menschen Karin Strenz. Was tun Sie in Ihrer Freizeit am liebsten?
Ich koche sehr gerne, Soljanka, Broiler, Himmel und Erde, Rinderrouladen mit Rotkohl, Bratkartoffeln mit Sülze und Remouladensoße, halt bodenständig. Ich selbst bin eher ein „Suppenkasper“. Ich liebe Eintöpfe, süß-sauer, wie der Mecklenburger sie mag. Dazu ein kühles Lübzer Pils. Was will man mehr? Die leichte italienische Küche ist allerdings auch nicht zu verachten. Lammfilet, gegrillt mit Rosmarin und viel Knoblauch, köstlich!

Storchennest zu Hause in Sehlsdorf

Es heißt, Sie würden gern reisen.
Wenn die Zeit es erlaubt, dann reisen wir, mein Mann und ich. Da gibt es wunderschöne Bauwerke in der Mitte Deutschlands, zum Beispiel die romanische Stiftskirche in Gernrode, das bauliche Gegenstück zum Dom zu Speyer, die malerische Innenstadt von Quedlinburg mit der legendären Feininger-Ausstellung. Oder der Dom zu Magdeburg in meiner alten Studienstadt. Oft sind wir unterwegs auf den Spuren Fontanes in der Mark Brandenburg, und das Kloster Dobbertin liegt ja fast vor unserer Haustür. Ich glaube daran, dass Reisen bildet. Ich bringe von unterwegs immer Ideen mit, ich lerne, wie anderswo die Herausforderungen der Zukunft gemeistert werden, mache aber auch Werbung für Mecklenburg-Vorpommern.

Ach ja, ich habe zwei Kater, Marnie und Seti. Beneidenswerte Geschöpfe, sie sind so unabhängig und selbstständig - aber leider nicht wahlberechtigt.

   

Fotos: Stiftskirche Gernrode