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"Mein traditioneller Weihnachtsbesuch bei der Bundeswehr“


Offiziell heißt das natürlich so: Reise zu den Einsatzkontingenten der Deutschen Bundeswehr EUTM Mali und MINUSMA vom 23. bis 27. Dezember 2013.


Bevor ich mich dem Bericht und dem Ablauf der Reise widme, die wie selbstverständlich immer außerordentlich exzellent vorbereitet und durchgeführt wurde, seien mir einige persönliche Worte des Dankes erlaubt. Es war Bundesverteidigungsminister Dr. Thomas de Maizière, der diese, wie auch die vorherigen Weihnachtsreisen, ebenso wie sein Amtsvorgänger, mit starkem Engagement auch gegen einige Zweifler befürwortete und beherzt durchsetzte. Auch mit der Parlamentarischen Geschäftsführerin, Michaela Noll, die seit der 18. Wahlperiode des Deutschen Bundestages selbst ordentliches Mitglied im Verteidigungsausschuss ist, habe ich seit Jahren eine Frau erleben dürfen, die sich für die Belange der Soldatinnen und Soldaten sowie deren Familien einsetzt und dem Gedanken jederzeit wohl zugetan war, mich gerade während der sensiblen Weihnachtsfeiertage in die Einsatzgebiete der Truppe zu entsenden, um deren „Dienen für Deutschland“ vor Ort Dank und Anerkennung zu zollen.


24. Dezember 2013 Weihnachten

Es war nun der fünfte Weihnachtsbesuch bei der Truppe in Folge: 2009 Afghanistan, 2010 Sudan und Darfur, 2011 Kosovo, 2012 Afghanistan, 2013 Mali und Senegal. Am 23. Dezember 2013 ging es los. In Bamako holte mich der Kontingentführer höchstpersönlich ab. Kaum versehen, haben wir den 24. Dezember 2013 Weihnachten: Jeder Besuch startet mit einem Hintergrundgespräch zur Lage vor Ort. Dazu gehörte auch der Antrittsbesuch beim Chef- MHQ (Mali Head Quarter) Bamako. Dann ging´s übers  Land zum KTC (Koulikoro Trainging Center). Dort eingetroffen, erhielt ich eine Unterrichtung und einen ausführlichen Rundgang durchs Gelände. Insbesondere die Besichtigung der Krankenstation (in Fachkreisen Role 2 genannt), war für mich von großem Interesse, da ich als Berichterstatterin der Fraktion für das Sanitätswesen großen Wert auf die truppenärztliche Versorgung lege.

 

Antrittsbesuch in Bamako


Es bot sich mir die Gelegenheit, eine alte verfallene Villa aus kolonialen Zeiten zu besichtigen. Sie dient der Camp-Überwachung.

 

Die verfallene Villa

 

Der Höhepunkt des Heiligen Abends ist natürlich immer wieder der Ökumenische Gottesdienst, diesmal in deutscher, englischer und französischer Sprache gefeiert. Es sind die bewegenden Momente, wo jeder auf seine Weise in sich kehrt, gedanklich bei der Familie, den Kindern, den Kranken und auch bei den Kameraden in anderen Einsatzgebieten ist. Es gab keinen Anlass für Beschwerden, ob Telefonieren, Mailen oder Skypen, alles funktionierte. Die OASE, der Gemeinschaftsraum der Truppe ist klein aber fein, die Soldatinnen und Soldaten haben sich eingerichtet, kreativ und unbürokratisch. Das ist der Vorteil, wenn ein Mandat noch recht "jung" ist. Es gibt Freiräume für flexible, nicht allzu lange und verkrustete Wege. Den Dank, den ich als Bundesvorstandsmitglied der EAS (Evangelische Arbeitsgemeinschaft Soldatenbetreuung) für die Unterstützung entgegennehmen durfte, möchte ich an dieser Stelle auch an das mitfinanzierende BMVg weiterleiten und natürlich an meinen katholischen Part, den Kollegen und Parlamentarischen Staatssekretär Markus Grübel für die KAS (Katholische Arbeitsgemeinschaft Soldatenbetreuung). Die Soldatinnen und Soldaten haben eine wunderschöne Weihnachtsfeier ausgerichtet, leckeres Essen, Geschenke, Gedichte unter freiem Sternenhimmel. Truppenromantik.
 
25. Dezember 2013 Erster Weihnachtsfeiertag
 
Da sitzen wir am frühen Morgen, nun ja, es war schon 8 Uhr, auf unseren Holzbänken vor den Schlaf,- WC,- und  Duschcontainern und beobachten, wie zwei befreundete ausländische Kameraden völlig ungläubig vor unserer liebevoll geschmückten Tanne standen und sie berührten. Natürlich haben sie gedacht, der Baum sei aus Plastik, bei so einem Prachtexemplar. Aber bei uns in Deutschland sind die Bäume nun mal auch in Natur so schön. Ich bin nicht sicher, ob man mir einen Bären aufgebunden hat, aber er, der Christbaum, soll eigens im Kühlcontainer eingetroffen sein. Die Soldaten "schossen" Beweisfotos mit dunkelgrüner Tanne auf rotem afrikanischen Boden. Ich schätze, nach ein paar Tagen malischer Hitze wird auch unser Baum nur noch ein Schatten seiner selbst gewesen sein. Aber den Glanz am Heiligen Abend vergesse ich nicht. An diesem Weihnachtsfeiertag waren wir unterwegs, um Land und Leuten zu begegnen, sie zu sehen, zu treffen, Bindungen aufzubauen und zu stärken, sowie Vertrauen zu schaffen.

 

Tanne aus Deutschland in Bamako


Wir sind weit ins Land gefahren, haben Dörfer gesehen, viele Kinder und einen Bürgermeister getroffen, der uns ganz stolz sein Büro zeigte, seine Arbeit erklärte  und Wahlplakate präsentierte. Unsere Übersetzerin sagte, eines sei besonders "speziell", so etwas würde es in Deutschland nie geben. Es stand geschrieben: " Wir sind nicht bestechlich - wählt...." Von wegen, das gibt's in Deutschland nicht. Die LINKE plakatierte zur Bundestagswahl: "Wir sind nicht käuflich. Wählt rot." Mein Gott, die übernehmen Teile ihrer Wahlkampfstrategie aus Mali. Naja, das behalten wir im Auge...


Viele vertrauensvolle einzelne Gespräche durfte ich über den Tag führen. Um die Mittagszeit verweilten wir an einem Ort, der einer Lodge glich mit Blick auf den Niger. Ein Ehepaar aus der Schweiz hat sich diesen Traum erfüllt und hofft auf Touristen, falls es im Land auch mal ruhiger würde. Zur Zeit leben von den Umsätzen durch die Soldaten. Es schwingt ein wenig Ironie mit, zumal sie aus der Friedensbewegung stammen und nun netten freundlichen Soldaten ihren Unterhalt verdanken.

 

      

Unterwegs über Land ...

 

... und im Gespräch mit Maliern

 

Alle sind mobil



26. Dezember 2013 Zweiter Weihnachtsfeiertag


Dann kam die Phase des Abschieds. Es ist fast nicht zu glauben, aber innerhalb von 48 Stunden wachsen einem so viele Menschen ans Herz, dass man nicht abreisen und eigentlich bleiben möchte. Doch da die Bundeswehr ja mittlerweile (leider!) sehr übersichtlich geworden ist, trifft man sich schneller andernorts wieder als man denkt. Und das wiederum hält den Abschiedsschmerz in Grenzen. Um 9 Uhr ging es mit dem Wagen zurück nach Bamako. Die einzige Lebensader von Koulikoro nach Bamako ist diese Straße, welche, und das ist fast gar nicht zu glauben, erst ein Jahr alt sein soll. Gebaut von Chinesen. Aber nicht nach dem Prinzip "Deutscher Wertarbeit". Der letzte Regen und die schweren, überladenen Laster haben die Ränder der Trasse quasi zerfressen und verschluckt. Um die Mittagszeit flogen wir nach Dakar. Ich lasse keine Gelegenheit aus mitzuteilen, dass die Transall mein Lieblingsbeförderungsmittel ist und mir in der Tat vor Jahren meine Flugangst nahm. Der Mitflug im Cockpit ist dann natürlich der Höhepunkt.

 

   

Im Cockpit

 

Die Transall


In Dakar angekommen, bot sich mir die Chance in Begleitung des Kontingentführers MINUSMA, einer direkten Begehung des Geländes. Ich nahm die Infrastruktur wie Hallen und Container ins Auge, alles etwas einfach, aber eben auch noch sehr "jung". Und wie funktionstüchtig, motiviert und beherzt das Team hier ist, zeigte nicht zuletzt die erfolgreiche Evakuierung aus dem unsicheren Südsudan, von dem viel die Rede war.

 

       

Ankunft in Dakar

 

Rundgang durch´s Camp

 

Besprechung im Camp


Wenn die Zeit eng wird, werden die Gespräche intensiver. Niemand scheute sich, mich anzusprechen, zu fragen, zu kommentieren, zu wünschen und zu danken. Der Feldgottesdienst am westlichsten Teil Afrikas war das Glanzstück des Pfarrers. Als sich alle die Hand zum Friedensgruß reichten und mit dem "Vater Unser" den Gottesdienst beendeten, spürte man eine tiefe Besinnung und Ruhe, bei jedem.

 

   
Gottensdienst...   ... in Dakar

 

27. Dezember 2013


Jedem Kontingent wird im Rahmen seines Aufenthaltes ein Anteil an besonderer Politischer Bildung geboten. Dass auch ich in eben diesen Genuss kam, war großartig. Es ging mit einer kleinen Fähre auf die Insel Gorée. Diese Insel ist als Sklaveninsel bekannt, ein Eiland mit großem Symbolwert. Bunte Kolonialhäuschen, Baobab-Bäume, Palmen, keine Autos, eine traumhaft schöne Insel, fern der Hektik der Millionenmetropole Dakar, wäre da nicht diese düstere Geschichte. 1444 wüsteten hier die Portugiesen, 1617 die Niederländer, später scharmützelten England und Frankreich um die Insel. 17 Mal wechselte Gorée den Besitzer, für die verkauften Sklaven machte es keinen Unterschied.

 

      
  

 

 

 

Der kürzlich stattgefundene Besuch des Inspekteurs des Sanitätswesens wurde von beiden Kontingenten sehr gewürdigt. Mit ihm habe ich bereits am Rande des Verteidigungsausschusses das Gespräch gesucht und einen Termin avisiert für den Erfahrungsaustausch der gewonnenen Eindrücke. Auch der angekündigte Besuch der neuen Verteidigungsministerin wird hoffnungsvoll erwartet.
 

Dies ist natürlich nur ein „Bruchteil“ meiner offiziellen Berichterstattung an das Ministerium, sollte aber einen kleinen Einblick ermöglichen.